Ungesunde Angewohnheiten

Es ist kurz vor Weihnachten. Wir machen gerade einen Bummel durch die weihnachtlich geschmückte Innenstadt. Es wird langsam dunkel und die Stadt erstrahlt im Weihnachtsglanz. Die Menschen rennen von einem Geschäft in das Nächste. Unsere Füße werden langsam müde und mir ist nach einer kleinen Pause beim Bäcker. Früher habe ich hier immer gerne bei den Leckereien zugegriffen. Wir stehen vor der Theke. Die Auswahl ist groß. Die Verkäuferin fragt: „Was darf es denn sein?“ Ich finde in der Theke nicht ein einziges Stück Kuchen, was meiner neuen Ernährung entgegen kommen würde. Und dann ist da wieder dieser Gedanke: „Soll ich eine Ausnahme machen?“ Ich kann nicht widerstehen und suche mir ein Stück aus, wovon ich denke, dass es mir am wenigsten schadet. Es schmeckt mir sehr gut, aber ich kann das Stück nicht genießen.

Ich muss wieder daran denken, warum ich so etwas nicht mehr essen wollte. Ich denke daran, wie ich im Notarztwagen lag und mit Blaulicht ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Man gab mir Spritzen und verkabelte mich. Ich denke daran, wie ich auf dem OP-Tisch lag und mein rechter Arm betäubt wurde. Ich spürte nicht, wie die Chirurgin mich aufschnitt und mir etwas in das Handgelenk schob, aber ich sah um das Handgelenk viel Blut, mein Blut. Ich sehe noch die ganzen Monitore und wie mir etwas in meine Arterien gespritzt wurde, wie man mit einem Schlauch und Draht in meinen Herzkranzgefäßen die Stelle mit dem Verschluss suchte. Das Röntgengerät bewegte sich vollautomatisch um meinen Körper wie in einem Science-Fiction-Film. Zwei Stunden wurde ich so mit Röntgenstrahlen durchleuchtet. Nein, das möchte ich nicht noch einmal erleben!

Und trotzdem sitze ich jetzt hier und esse ein Stück Kuchen. Ich esse das, was mich über Jahrzehnte „Genuss“ krank gemacht hat. Gerne würde ich glauben, dass das nicht so ist, aber inzwischen weiß ich es besser. Wir können nicht essen, was und wieviel wir wollen. Alles hat seine Auswirkungen auf unseren Körper. Nur leider kommt diese Erkenntnis oft sehr spät oder überhaupt nicht. Mein schlechtes Gewissen ist wieder da und ich nehme mir vor, das nächste Mal nicht schwach zu werden.

Diese kleine, mir widerfahrene Geschichte ist übertragbar auf viele andere Dinge in unserem Leben. Wegen des „Genusses“ eines von anderen erzeugten Produktes, das dafür gemacht wurde, uns zu verführen, ja, süchtig zu machen, ohne Rücksicht auf unsere Gesundheit, fügen wir unserem Körper wissentlich Schaden zu. Wir merken nicht gleich den Schaden. Rauchen zum Beispiel gehört zu den größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauferkrankungen. Bei jeder Zigarette denkt man, die Eine mehr oder weniger, darauf kommt es nicht an. Aber genau darauf kommt es an!

Kennen Sie die Geschichte vom Frosch im heißen Wasser?

Wenn wir einen Frosch in heißes Wasser tun (Das tun wir natürlich nicht!), hüpft er schnell heraus. Wenn wir hingegen das Wasser, in dem der Frosch sitzt, langsam und stetig erwärmen, bleibt der Frosch sitzen und zeigt zunächst alle Zeichen von Wohlbefinden, bis er vor lauter Wärme langsam schlaff und kraftlos wird, bevor er vor Hitze verendet.

Sehr ähnlich funktioniert auch die menschliche Wahrnehmung: Wir sind nicht darauf trainiert, langsame Veränderungen wahrzunehmen, auch wenn diese unsere Überlebensbedingungen nachhaltig beeinträchtigen. Der Mensch hat ein Problem mit langsamen Veränderungen! Die Veränderungen, die Zigaretten anrichten, merken wir nicht gleich, daher wird das Rauchen von unserem Bewusstsein als ungefährlich eingestuft. Das gleiche gilt für ungesunde Ernährung und andere Laster. Aber über die Jahre summieren sich die Schäden, bis es zum Kollaps kommt und oft zu spät ist.

Unsere Wirtschaft ist auf Wachstum ausgerichtet. Jede Firma versucht ihre Gewinne zu maximieren. So funktioniert unser System. Lebensmittel werden besonders geschmackvoll hergestellt, damit das Produkt sich gut verkauft, so wie mein Stück Kuchen. Für die Firmen steht der Geschmack an erster Stelle, nicht unsere Gesundheit und die Pharmaindustrie verdient dabei gleich mit, weil wir Medikamente brauchen, um die Symptome der ungesunden Angewohnheiten zu behandeln, aber die Ursache bleibt!

Den Sprung weg von der Zigarette, ungesundem Kuchen oder irgendeiner anderen ungesunden Angewohnheit schaffen viele erst, wenn sie ähnliches durchgemacht haben wie ich mit meinem Herzinfarkt. Egal welches Laster Sie haben, lassen Sie es nicht soweit kommen! Lassen Sie sich von den Firmen nicht blenden!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.