Herzinfarkt und mein Weg

Im vergangenen Jahr (2016) hatte ich einen Herzinfarkt. An dieser Stelle möchte ich erzählen, wie es mir erging und was mir anschließend half, die Krankheit hinter mich zu lassen. Meine Geschichte soll anderen Menschen mit Herzproblemen Mut machen, selbst aktiv zu werden, sich mit der Krankheit nicht abzufinden und motivieren, ihre Lebensweise zu ändern für ein gesundes und langes Leben. Ich freue mich auf Rückmeldungen und einen Gedanken- und Erfahrungsaustausch.

Meine Vorgeschichte
Als Kind hatte ich Rachitis. Meine Mutter sagte dazu „Englische Krankheit“. Beim Sport in der Schule und auch später bei der Bundeswehr konnte ich oft nicht mithalten. Beim Joggen bekam ich immer Schmerzen in den Schienbeinen. Daher bin ich nie freiwillig gelaufen. Dazu gesellte sich ein angeborener Herzfehler und vererbter Bluthochdruck, der sich aber erst später, Ende zwanzig, bemerkbar machte. Bewegung und Sport spielten früher in meinem Leben kaum eine Rolle. Die Ernährung war sehr fettreich. Naschen war an der Tagesordnung. Vitaminreiche Kost gab es wenig. Fleisch kam in meinem Elternhaus fast täglich auf den Tisch. Auch später war Fleisch ein Teil meiner Ernährung. Erst als ich 2010 in einem Yoga-Buch las, wurde mir der Zusammenhang zwischen gewaltlos leben und vegetarischer Ernährung klar. So wurde ich von einem Tag auf den anderen zum Vegetarier. Damals merkte ich zwar eine gesundheitliche Verbesserung, aber nahm lediglich Notiz davon, ohne dem weitere Aufmerksamkeit zu schenken. Ich tat es mehr aus ethischen Gründen.

Wie es zu dem Herzinfarkt kam
Er überraschte mich auf der Heimfahrt von der Arbeit. Ich war bereits kurz vor zu Hause, da bekam ich plötzlich Schmerzen in der linken Brust, die bis in die Schulter hochzogen und das Atmen fiel mir schwer. Das Autofahren war aber noch möglich. Obwohl es die typischen Anzeichen für einen Herzinfarkt waren, dachte ich zu dem Zeitpunkt nicht daran. Ich fuhr weiter bis nach Hause. Als ich zu Hause angekommen die Haustür öffnete, waren die Schmerzen verflogen. War wohl bloß eine Verspannung von der Arbeit, dachte ich noch. Die Atemnot beunruhigte mich nicht, da ich diese bereits schon seit einigen Jahren hatte und gelernt hatte, damit umzugehen. Wie üblich wollte ich nach der Arbeit meinen Sport machen und ging auf den Crosstrainer. Aber es dauerte nicht lange und ich musste wieder aufhören. Die Schmerzen waren wieder da. Diesmal hörten sie nicht wieder auf. Ich legte mich ins Bett und schlief lange nicht ein. Noch immer war mir nicht klar, worum es sich handelte. Irgendwann schlief ich dann doch ein. Am nächsten Morgen ging es mir wieder gut und ich fuhr zur Arbeit. Dort machte ich mir Gedanken und recherchierte im Internet. Ein Test zur Selbstdiagnose gab mir dann die klare Aussage: Herzinfarkt. Das machte mir Angst und ich fuhr sofort zur Hausärztin, die mich nach kurzer Untersuchung unverzüglich ins Krankenhaus einwies.

Operation
Am nächsten Tag wurde ich operiert. Auf dem Operationstisch liegend, sagte mir die Chirurgin, dass sie die Stelle mit dem Verschluss gefunden habe und sich bereits eine neue Arterie gebildet hat. Dann sollte ich entscheiden, ob die Stents gesetzt werden sollten. Damals hielt ich es für eine gute Idee. Heute denke ich, mein Körper war bereits dabei sich zu reparieren, vielleicht hätte ich ihm einfach die Zeit geben sollen, dann wäre ich heute ohne Metallröhrchen im Körper.

Medikamente
Nach der Operation bekam ich die üblichen Medikamente: zwei Blutgerinnungshemmer, zwei Blutdrucksenker, einen Cholesterinsenker und eine Tablette für den Magen wegen der Nebenwirkungen eines Blutgerinnungshemmers. Vor dem Herzinfarkt nahm ich gerade einmal ein Medikament für den Blutdruck ein. Es dauerte nicht lange und die ersten Nebenwirkungen zeigten sich, wie zum Beispiel innere Blutungen, Sehstörungen und Muskelschmerzen.

Ich fragte mich, wie konnte es zu dem Herzinfarkt kommen? Warum ist mir das passiert?

Ursachenforschung
Seit 2010 ernährte ich mich vegetarisch und seit 2014 rein pflanzlich, also vegan. Ich fragte mich, wie kann das sein? Habe ich mich doch die letzten Jahre nach meinem Empfinden gesund ernährt. Aber erstens ist Ernährung nicht alleine für eine koronare Herzkrankheit, also Arteriosklerose der Herzkranzgefäße, verantwortlich, und zweitens beginnt Arteriosklerose bereits mit der Geburt bei jedem Menschen, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger. Wir müssen also auf unser ganzes Leben schauen. Und dann finden wir schnell den Fehler im System. So war es jedenfalls bei mir. Die Ursachen bei mir waren zu viele Jahre (Jahrzehnte) zu wenig Bewegung und falsche Ernährung. Viele glauben, vegane Ernährung sei gesund, aber das ist nicht automatisch so. Auch als Veganer kann man sich falsch ernähren. Pommes frites zum Beispiel sind zwar vegan, aber sich jeden Tag von so etwas zu ernähren, ist sicher auf Dauer nicht gesund.

Selbstbehandlung
Die verschriebenen Medikamente führten bei mir zu starken Nebenwirkungen, so dass ich kaum Sport machen konnte ohne Probleme. Nachdem ich mit Absprache der Ärzte 6 Medikamente durchprobierte, hatte ich im Dezember 2016 genug vom Experimentieren und habe konsequent zwei Medikamente abgesetzt. Dabei nahm ich bewusst die Gefahr in Kauf, dass es mein Leben gefährden könnte. Um dem Verlust der Medikamentenwirkung etwas entgegenzusetzen, stellte ich zeitgleich meine Ernährung nach den Büchern von Dr. Caldwell B. Esselstyn „Essen gegen Herzinfarkt“ und Dr. Michael Greger „How Not To Die“ um. Ich tauschte meine Medikamente gegen natürliche Nahrungsmittel aus und beobachtete meine Werte zusammen mit meiner Hausärztin, um das Risiko möglichst gering zu halten. Dabei geht es um eine rein pflanzliche (vegane) Ernährung mit reduziertem Fettanteil (10%). Das ist sicher nicht einfach, besonders wenn man unterwegs ist, aber es ist machbar. Nun schaute ich, wie ich in meinem Büroalltag Bewegung bekommen konnte. Statt in der Mittagspause wie üblich beim Bäcker zu sitzen, gibt es jetzt Müsli und einen flotten Spaziergang. Aus meinem Schreibtisch lässt sich ein Stehpult machen. Abends gibt es Yoga und Laufeinheiten im Wechsel.
Einige mögen das als extrem bezeichnen und andere vielleicht als undurchführbar. Ich empfinde diese Lebensweise nicht als belastend, ganz im Gegenteil, ich habe Spaß an der Bewegung und mehr Genuss am Essen als je zuvor.
Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich habe mich für ein gesundes und langes Leben entschieden.

Das Ergebnis
Die inneren Blutungen verschwanden, die Muskelschmerzen wurden weniger, bis sie ganz verschwanden und ich habe keine Sehstörungen mehr. Anfang Mai 2017 war ich zur Kontrolle beim Kardiologen. Alle meine Werte waren ok. Im Mai 2017 lief ich 10 km beim Itzehoer Störlauf mit persönlicher Bestzeit. Meine Lebensgefährtin und Freunde meinten, ich sah im Zieleinlauf nicht so erschöpft aus wie andere Läufer und könnte wohl noch mehr. Das motivierte mich natürlich. Jetzt wollte ich es wissen. Früher dachte ich immer, Laufen kann ich nicht und allein an einen Halbmarathon zu denken, war für mich unvorstellbar. Inzwischen bin ich mehrere Halbmarathons gelaufen. Auch wenn meine persönlichen Bestzeiten durch den angeborenen Herzfehler vielleicht nicht an die Zeiten gesunder Menschen heranreichen und das wohl auch nie werden, bin ich sehr zufrieden mit mir. Zurzeit nehme ich keine Medikamente ein. Eins weiß ich gewiss: Was ich durchmachte, möchte ich nie wieder erleben.

Selbstheilung
Der Körper hat die Kraft sich selbst zu heilen. Wir müssen ihm nur die Chance dazu geben! Arteriosklerose ist eine Entzündung der Arterien. Das Heimtückische an dieser Krankheit ist, sie bildet sich über Jahrzehnte schleichend fort, ohne dass wir etwas davon merken. Wenn wir durch eine ungesunde Lebensweise immer wieder sprichwörtlich Öl ins Feuer gießen, kann unser Körper sich nicht reparieren und es wird schlimmer. Wir selbst haben es in der Hand, diesen Prozess zu stoppen, ja, vielleicht sogar rückgängig zu machen!

Auch wenn ich selbst die Medikamente eigenmächtig abgesetzt habe, ist es auf jedem Fall besser, dieses mit dem Arzt abzusprechen, um evtl. Medikamente mit regelmäßigen Kontrollen beim Arzt ausschleichen zu lassen. Nur so lassen sich die Grenzen ohne Gefahr für das eigene Leben ausloten. Bei mir hat es funktioniert, aber jeder Mensch ist verschieden.